Ausflug mit Rock

Am letzten Sonntag war das Wetter in und um Berlin so wundervoll herbstlich-sonnig, dass es uns nach draußen zog und wir nach Beelitz, genauer zu den Ende des 19. Jahrhunderts als Lungenheilstätten errichteten (ehemaligen) Beelitzer Heilstätten fuhren. Allerdings wollten wir hoch hinaus und nicht an einer Führung durch die verlassenen und teilweise schon recht verfallenen Gebäuden teilnehmen (obwohl das auch auf der To-do-List steht!!!). Im September hat auf dem Parkgelände der Heilstätten nämlich ein Baumkronenpfad eröffnet. Trotzdem ging es für uns erst einmal durch den Park an den diversen Gebäuden entlang, bevor wir uns die Karten für den Pfad kauften. Die Anlage an sich ist barrierefrei zu erreichen, es gibt sowohl einen Aufzug zu den jeweiligen Ebenen des dreieckigen Einstiegsturms oder breite Treppen. Auf ca. 20 Meter Höhe beginnt ein breiter Holzweg, der sich auf über 300 Metern über den Park und am Ende auch über eines der ausgebrannten Gebäude erstreckt, auf dessen Dach tatsächlich über die Jahre ein Wald gewachsen ist. Der Weg geht an einigen Stellen in kleine Plätze mit Bänken über, dort ist der dicke Handlauf aus Holz unterbrochen, wodurch statt „Brett vor dem Kopf“ (relativ) freie Sicht auf die Bäume und die Landschaft bzw. die Gebäude ist. Beim Gehen hatte ich manchmal das Gefühl, auf einem (Segel)Boot zu sein, denn es ist ein ganz leichtes Schwanken zu spüren.

Auf dem Dach wächst tatsächlich ein Wald!

Auf dem Dach wächst tatsächlich ein Wald!

Zum Abschluss sind wir auf die oberste Plattform des Turmes gestiegen und hatten von ca. 40 Metern einen sehr tollen Rundumblick auf den Pfad, den Wald und die Umgebung. Da es schon nach 16 Uhr war, ging die Sonne auch schon langsam unter und das sowieso schon sehr schöne Licht wurde noch wärmer. Mein Highlight war dann ein Zugvogelschwarm, der mit lautem Geschnatter an uns vorbei flog. Leider war ich nicht schnell genug damit, das Smartphone zu zücken, aber für ein halbwegs gutes Foto hat es zum Glück noch gereicht.

 

Wieder auf der Ebene des Pfades angekommen, bat ich um Fotos für den heutigen Me Made Mittwoch, denn: ich hatte meinen absoluten Lieblingsrock an, der perfekt zum heutigen Thema „Jeans“ passt. Einen A-Schnitt mit seitlichen Taschen und Falten am vorderen Bund aus leicht schimmernden, dünnen Jeansstoff, der nur ganz bisschen Elastananteil hat und sich nur minimal dehnt. Dazu noch meinen ersten (und bislang einzigen!) selbstgestrickten Pullover. Der Begleiter entpuppte sich als geduldiger und erprobter Fotograf und wenn ich nicht latent unentspannt gewesen wäre (ich posiere nicht so gerne unter Beobachtung und der ein oder andere Besucher war dann doch noch auf dem Weg unterwegs…), hätte ich mich auch eher auf seine Anweisungen eingelassen.

„So, genug Fotos jetzt…!“

Der Rockschnitt hat eine A-Form, einen breiten Formbund, Abnäher und Reißverschluss hinten, Taschen… und ist eine Abwandlung des Schnittes, aus dem ich seit 2013 schon einige Röcke genäht habe, u.a. den, mit dem ich zum ersten Mal beim MMM teilgenommen habe und den es mittlerweile in einigen Versionen gibt. Ich wollte aber gerne eine andere Variante und so habe ich mal wieder einen Abend bei Stoffe Meyer (leider mittlerweile nur noch als Online-Shop und nicht mehr als Laden!) verbracht und den Schnitt mit viel Papier und Klebstoff angepasst: den Bund verbreitert, die Falten eingeplant, die Taschenführung und -form geändert, etwas an der seitlichen Weite angepasst…

Das Jahr 2013 ging trubelig zu Ende und das Jahr 2014 war mehr als herausfordernd und anstrengend und so verging knapp ein Jahr, bis ich den Schnitt endlich auch umsetzte. Zum Glück hatten wir die Faltenmöglichkeiten an einem Stück Stoff ausprobiert und ich mir Fotos gemacht, so konnte ich fast ein Jahr später nachschauen, wie wir uns das gedacht hatten bzw. welche Varianten möglich wären und habe mich für die Version mit den spiegelgleichen entschieden:

Den Stoff gab’s bei Smilla Berlin , dunkelblauen Futterstoff-Coupon bei Karstadt und den bunten Innenbund aus meinem persönlichen Fundus. Ich legte im November 2014 los. Durch die anderen Röcke musste ich nicht viel überlegen, allein beim Falten legen grübelte ich etwas rum und war froh um die Fotos, aber das Nähen an sich lief so nebenbei. Ich hatte mir den Rock für Weihnachten in den Kopf gesetzt und wollte unbedingt fertig werden. Ich wurde etwas hektischer und kam auf die Idee, die Naht zwischen Bund und Rockteil mit der Overlock zu versäubern, legte den Stoff aber etwas schlampig zurecht und es kam, wie es kommen musste: statt nur den Stoff vor Bund- und Rocknaht schnitt das Overlockmesser in den Bund und eine schicke Overlocknaht verwurschtelte das Ganze noch zu einem merkwürdigen Gebilde. Mir wurde ganz schlecht bei dem Anblick und ich musste erst einmal alles stehen und liegen lassen und das Zimmer verlassen. Nachdem ich mich etwas gefangen hatte ging ich zurück, um mir das Schlamassel genauer anzuschauen. Zum Glück (!!!) hatte das Messer nicht in den Rockteil mit den Falten geschnitten, was meine große Befürchtung war, sondern in den Bund!! Ich löste alles aus der Maschine und konnte mich trotzdem erst mal nicht zum Auftrennen durchringen und legte alles erst mal ganz weit weg. Zu groß war meine Wut auf mich bzw. meine Ungeduld. Nach ein paar Tage konnte ich mich durchringen und trennte an einem Abend langsam Faden für Faden auf und machte eine Bestandsaufnahme. Zum Glück hatte ich noch genug Stoff für einen neuen Bund-Teil übrig, denn der Stoff war mittlerweile bei Smilla ausverkauft (ich hätte ihn gerne noch einmal für ein Kleid gehabt) und wurde auch nicht mehr neu geliefert. Ich musste natürlich noch einiges mehr auftrennen, um den Bund wieder ordentlich an Ort und Stelle platzieren zu können. Aber: ich wurde fertig und konnte den Rock tatsächlich an Weihnachten tragen! Ich trug ihn außerdem an Silvester und trage ihn nach wie vor sehr regelmäßig, meist jedoch zur Arbeit. Es ist ein Ganzjahresrock, denn er geht sowohl zu (dicken) Strumpfhosen und Stiefel / Stiefeletten in Herbst und Winter, als auch zu Ballerina / Pumps in Frühling und Sommer. Anlass-flexibel ist er auch: ob mit Shirt / Pulli oder mit Bluse und Blazer. Ein Allround-Talent wie eine Jeans, die gehen ja auch (fast) immer!!

Der Pulli passt zwar nicht zum Thema, der Vollständigkeit halber aber: Das Muster ist aus der Rebecca Nr. 37 und mein erstes großes Strickprojekt überhaupt und mein erster Strickversuch nach gefühlten Jahrzehnten. Ich hatte ihn bei einer Freundin gesehen, die das Heft bei sich liegen hatte und mir in den Kopf gesetzt, ihn zu stricken. Zuvor hatte ich langsam mit „Kleinigkeiten“ wieder mit dem Stricken begonnen, worüber ich bei den Doppelbloggerinnen schon mal berichtet habe. Die Wolle (ggh Kid melange) bestellte ich im Internet und legte los (ohne Probe gestrickt zu haben…). Besser gesagt: ich versuchte es, aber ich verstand nicht so ganz, was mir der Text sagen wollte. Zum Glück ist ihre Schwiegermutter eine Strickexpertin und wurde erst einmal zu meinem Telefonjoker, der mir mit Geduld den Text in für mich Verständliches erklärte. Ich schrieb ihn mir in Abkürzungen wie li, re, U auf eine Karteikarte. Zu dieser Zeit pendelte ich noch täglich zwischen der Stadt an Rhein UND Mosel und Mainz und kam so zwei Mal am Tag für jeweils knapp eine Stunde zum Stricken, weshalb er sehr schnell fertig wurde. Bei der Aufnahme der Maschen für den Kragen half mir noch mal die Caramellita-Schwiegermutter, diesmal allerdings live. Mir wurde ein regelmäßiges Strickbild bescheinigt und ich bin nach wie vor stolz und überrascht, wenn ich ihn trage.

Patentpulli

Nach wie vor noch schön und heiß geliebt.

Seitdem habe ich nur Schals, Mützen etc. gestrickt, aber für den kommenden Winter habe ich mir eine Strickjacke in den Kopf gesetzt. Entweder die „Libelle“ aus der September-Oktober-Ausgabe der La Maison Victor oder den BeauB Cardigan von La Maison Rililie. Gibt es da schon Erfahrungen von der ein oder anderen Strickerin?
Jetzt aber endlich zum heutigen Me Made Jeans-Mittwoch !!

Balkongarten 2015, #2

Es wächst und gedeiht in meinen Töpfen und Frühbeetkästen und ein paar Pflanzen müsste ich sehr dringend pikieren bzw. größere Töpfe umsetzen, aber ich komme derzeit keinen Abend vor halb sechs aus dem Büro und da bei mir am Donnerstag gemalert werden soll, musste ich ganz schön viele Möbel erst aus- und dann umräumen… Jetzt also erst mal Fortschritte zeigen und danach noch Hände in die Erde stecken!

Die erste Ernte gab es heute: Rucola! Frisch von der Fensterbank auf’s Tomatenaufstrich-Brot! Und er hat schon eine ganz schöne Schärfe! Der Pflücksalat im Ganzen macht sich gut:

Pflücksalat! Von der Fensterbank frisch aufs Brot!

Pflücksalat! Von der Fensterbank frisch aufs Brot!

Die Salbeisamen hatten ja alle Keimlinge hervorgebracht. Den größten (siehe im Balkongarten-Post #1) habe ich gegen zwei Tomatenpflänzchen eines Kollegen eingetauscht:

Tauschtomaten gegen Salbei

Tauschtomaten gegen Salbei

Ich hatte das Pflänzchen in einer hohen, mit Knallfolie ausgestopften, Tupperdose zur Arbeit transportiert und er kam mit einer ähnlich ausgestatteten Kaffeedose in mein Büro!
Im Hintergrund kann man schon die Blumenwichtelpflänzchen erahnen.

Aber der Vollständigkeit halber noch die Fortschritte bei einem der verbliebenen Salbei-Pflänzchen und des Schnittlauchs:

Schnittlauch

Schnittlauch

Salbei

Salbei

Und in der letzten Woche habe ich noch ganz spontan Thymian gesät, der ganz schön flott ist beim Keimen:

Thymian

Thymian

Ebenfalls in der letzten Woche ausgesät: ein paar Samen für Trommelstöcke! Ich habe drei getrocknete in einer Vase im Wohnzimmer stehen und die Lieblingsbuchhändlerin-Freundin hat mir Samen zum Geburtstag geschenkt. Ich bin sehr gespannt, ob sich was tut bzw. hoffe es sehr!

Trommelstöcke to be!

Trommelstöcke to be!

Die Blumenwichtel-Pflänzchen wachsen mehr oder weniger gut: bei Nr. 1 ist nur ein Samen so richtig gut aufgegangen (ein zweiter kämpft…), aber ich will mir ja auch nicht den Balkon über und über voll stellen, von daher passt das schon (und ich kann im nächsten Jahr noch mal auf den Samen zurückgreifen):

Blumenwichtel #1

Blumenwichtel Nr. 1

Am besten kommen die Blumenwichtel Nr. 2 (bis auf die teilweise gelben Blättchen… dabei hab ich Anzuchterde benutzt, aber evtl. war es doch zu heiß / hell im Frühbettkasten?!):

Blumenwichtel Nr. 2

Blumenwichtel Nr. 2

Wogegen Nr. 3 wohl „schießen“ (zumindest hat mir Svenja auf Nachfrage die Hoffnung genommen, dass es Kletterpflanzen sind und das so richtig ist…):

Blumenwichtel Nr. 3

Blumenwichtel Nr. 3

Mal sehen, ob ich durch Pikieren und tieferes Einsetzen noch was retten kann… Einen kleinen Überblick über die Wichtelblumen 2015 gibt’s bei Julia.

Und wer hat es sich doch noch überlegt, zu keimen und zu wachsen, obwohl O. aus E. ein wenig skeptisch war, da sich bei ihm auch nichts tat…?! Die schwarzäugige Susanne! Eine zweite hat noch die Samenkapsel auf einem Keimblatt, treibt aber auch schon schön aus:

Schwarzäugige Susannen.

Schwarzäugige Susannen.

Auch endlich ausgesät die üblichen Verdächtigen: meine geliebten Löwenmäulchen (noch ohne Foto, da noch nix zu sehen), ein paar Samen für Bienen und Schmetterlinge (erste Keimlinge zu erahnen, aber auch ohne Foto) und die ebenso obligatorischen Kornblumen. Da immerhin sieht man auch schon ein klein wenig (auch hier hängt noch die Samenkapsel dran):

Keimender Kornblumensamen.

Keimender Kornblumensamen.

Auf dem Balkon steht die überwinterte Erdbeere und treibt Ableger, aber noch keine Blüten, das Wandelröschen, das noch im Wohnzimmer übernachtet und ab und an mal raus darf, schiebt ebenfalls viele neue Blätter und der Rosmarin wird wohl bald blühen… So kann’s weitergehen!

Balkongarten 2015

Auch in diesem Jahr habe ich wieder den festen Vorsatz, im Sommer so oft wie möglich auf einem grünen Balkon zu sitzen und wenn möglich auch wieder einiges selbst zu ernten.
Neulich fiel mir ein: Diesen Vorsatz hatte ich vor Jahren, als ich noch in der Stadt an Rhein und Mosel lebte und zum ersten Mal eine Wohnung nicht allein bewohnte und diese dazu auch noch einen Balkon besaß, auch. Allerdings haben wir es – durch Unerfahrenheit oder Skepsis, dass eh nicht alles austreiben würde? – etwas übertrieben mit dem Aussäen und hatten schließlich den Balkon und die Wohnung voll gut gedeihender Tomaten- und anderen Nutzpflanzen stehen und versorgten nach und nach zahlreiche Verwandte, Freunde, Kollegen, Mitpendler, Nachbarn… Seitdem bin ich dankbare Abnehmerin schon fertiger Pflänzchen was Gemüse angeht…
In den letzten Jahren hat mich neben meiner Mutter auch Caramellita meist versorgt und so konnten wir über das www sogar Vergleiche unter Geschwistern anstellen. Im letzten Jahr hatte ich zu ihrem Pflänzchen zusätzlich noch eine „Green Zebra“-Tomate und Kräuter, sowie ein paar Samen bei der Pflanzzeit! in der Markthalle Neun in Kreuzberg gekauft. Leider finde ich für dieses Frühjahr bislang keine Ankündigung für eine weitere „Pflanzzeit“, hoffe allerdings sehr, dass sie wieder stattfinden wird…

Blumen und Kräuter säe ich allerdings nach wie vor gerne selbst aus und in diesem Jahr bin ich durch Zufall auf die
„Blumenwichtel“-Aktion von Julia gestoßen und habe mich angemeldet. Ich bekam dann auch wirklich tolle Post (über Instagram rausgefunden: ich wurde von Svenja bewichtelt) mit drei Sorten Samen, bei denen ich gespannt bin, was dabei rauskommen wird:

Blumenwichtelpost

Blumenwichtelpost

Allerdings kam ich vor knapp zwei Wochen eher so nebenbei zum Aussäen und mich kümmern. Trotzdem zeigen sich in allen drei Wichtel-Töpfchen schon mehr oder weniger viele / große Keimlinge:

Ich bin sehr gespannt, welche Blumen sich später mal zeigen werden, bislang habe ich keine Idee.

Aus Essen kamen im Tausch gegen Büschelschön-/Phacelia- und Kornblumen-Samen für die Stadtbienen Samen für die Kletterpflanze „Schwarzäugige Susanne“, die ein Sichtschutz werden soll, sich aber noch nicht zeigt, obwohl sie zum gleichen Zeitpunkt wie die Wichtelsamen ausgesät wurde:

Außer Anzuchterde nichts zu sehen...

Außer Anzuchterde nichts zu sehen…

Wenigstens der Salbei ist schon über die ersten Keimblättchen hinaus und kann bald umgetopft (und einer an einen Kollegen weitergeben werden, der einen absoluten Sonnenbalkon hat und dieser somit perfekt für den Salbei ist):

Der Besuch von vor zwei Wochen hat mir ein Anzucht-Set (bestehend aus einem Kunststoff-Beutel, in dem eine Substratplatte liegt und einem Tütchen Samen) für Schnittlauch mitgebracht, bei dem man das beigefügte Substrat (aus Kokosfaser und torffrei!) durch Zugabe von Wasser auf ein fünffaches (?) aufquellen lässt und dann den Samen einarbeitet. Bis auf den Kunststoff-Beutel finde ich die Idee gar nicht so schlecht, das gepresste Kokossubstrat gibt es ja auch so im Gartenmarkt zu kaufen, bislang hatte ich es allerdings noch nicht ausprobiert. Ich habe nicht den ganzen Samen verwendet, weil ich es nicht so richtig einschätzen konnte bzw. erst einmal testen wollte und bin trotzdem recht zufrieden, was sich nach knapp 2 Wochen so zeigt:

Schnittlauch-Fäden.

Schnittlauch-Fäden.

Auf der Küchenfensterbank steht ein länglicher Topf mit einer Pflücksalatmischung (Rucola, Eichblatt etc.), die mir empfohlen wurde und schon sehr gut ausgetrieben ist und bei der ich auf das Ergebnis sehr gespannt bin:

Pflücksalat.

Pflücksalat.

In einem weiteren Topf habe ich noch Cosmea ausgesät (auch noch ohne die geringsten Keim-Anzeichen). Meine übliche Schmetterling-/Bienenmischung und die obligatorischen Löwenmäulchen habe ich noch nicht ausgesät, die drängen aber eigentlich schon sehr…
Meine beiden Erdbeerpflanzen und der Rosmarin haben den Winter (auf Styropor und in Vlies eingepackt) auf dem Balkon gut überstanden, ebenso das Wandelröschen, das allerdings nicht wirklich „geschlafen“ hat den Winter über, es war ihm sogar im dunklen Keller zu warm und fing im Dezember doch glatt noch mal kurz an, auszutreiben und ich hatte schon die Befürchtung, dass es bis im Frühjahr dermaßen durcheinander ist, dass gar nichts mehr kommt… Aber es zeigt viele schön grüne Blättchen.

Die Vor-Balkon-Saison ist also schon recht vielversprechend gestartet, so kann es weitergehen.

Kreppel und Berliner, Fastnacht und Karneval

Als ich Kind im Westerwald war, gehörten Fastnachtsfeiern mit Verkleiden, mehr oder weniger aufwendigem Sitzungsprogramm (ab der Mittelstufe gerne auch mal einen ganzen Vormittag, denn alle Klassenstufen sowie die Lehrer beteiligten sich) mit Besuch des (Kinder-)Prinzenpaares oder einer Möhnengruppe zum festen Bestandteil des Kindergarten- und Schullebens. Als Grundschulkind bin ich drei Mal mit dem Umzug in unserem Dorf mitgelaufen: Einmal in einen blauen Müllsack gehüllt und mit einer entsprechenden Maske vor dem Gesicht als Ratte dem als Rattenfänger verkleideten Schulleiter hinterher, als Clown auf einem selbst gebasteltem Pferd aus Karton zum Thema „Zirkus“ und als Wasweißichwas zum Thema „Herr der Ringe“. Es gab jedes Jahr viele Umzüge, Sitzungen für Klein und Groß, Pyjama- und Maskenbälle… sehr gerne und häufig gemeinsam mit Caramellita besucht. Und in jedem Haushalt gab und gibt es mindestens eine „Fastnachtskiste“ mit entsprechender Auswahl an Kostümen, Hüten, Einzelteilen…
Und von Kindergartenzeiten an gab es zu den Feiern immer Kreppel bzw. Berliner gegen vorher erstandene Bons. Beide waren mit Zucker bestäubt, aber Kreppel waren länglich und ungefüllt, Berliner rund und gefüllt mit Pflaumenmarmelade. Zur Fastnachtszeit herum dominierten sie beim Bäcker die Auslage und in einigen Haushalten wurden sie auch gerne mal selbst (aus-)gebacken. Meine Mutter gehörte zu denen, die sie beim Bäcker kauften und anscheinend hasste ich schon als kleines Kind nichts mehr als die gefüllte Variante und liebte dafür die ungefüllte und eher trockene Variante umso mehr, was eine meiner Tanten schier zur Verzweiflung trieb, gab sie sich doch immer solche Mühe mit dem Backen und Befüllen mit eigens dafür gekochtem Pflaumenmus. Ich hasste es, hielt über Jahre durch und ließ mich auch nicht durch „Probier doch wenigstens mal!“ überreden.
Im Herbst 2001 trat ich meine erste Stelle in Bonn an. Von nun an hieß es „Alaaf“ statt „Helau“ und „Karneval“ statt „Fastnacht“, „Weiberfastnacht“ statt „Schwerdonnerstag“. An meiner ersten Weiberfastnacht in Bonn hieß es kurz nach elf: „Alaaaf!“ Dazu gab es Sekt und: Berliner. Gefüllt mit div. Marmeladen. Und ja, ich probierte einen, mit Johannisbeermarmelade gefüllt. Und er schmeckte doch tatsächlich gut und ich wunderte mich, wie ich die trockenen Kreppel überhaupt jemals gemocht haben konnte. Im Anschluss gab es eine richtige Feier, meist mit Band und Tanz, zu der viele Kollegen erschienen und im Anschluss daran ging es noch mit einigen weiter in die Stadt. Das ging über vier Jahre so, ich saß mal mehr mal weniger geschafft am nächsten Tag im Büro (das gehörte für die meisten einfach dazu: feiern und am nächsten Tag arbeiten gehen). An Rosenmontag gab es einen Tag frei. Zu der Zeit wohnte ich in einer WG in der Stadt an Rhein und Mosel, an deren Küche der Rosenmontagszug vorbei kam und wo dann, stilecht, mit Sekt und Berlinern gefeiert wurde. Teilweise feierte ich in dieser Zeit auch am Wochenende in der alten Heimat, somit musste ich immer ein wenig aufpassen, die Rufe und Bezeichnungen nicht zu verwechseln.
Nach vier Jahren wechselte ich von der Bundesstadt in die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt, zu „Helau!“ und „Fastnacht“. Und auch dort wurde erst im kleinen Kreis zu Berlinern und Sektgläsern gegriffen und im Anschluss daran mit vielen Leuten an einer richtigen Sitzung mit Rat, Band und vielen Programmpunkten teilgenommen. Im Anschluss daran gab es auch immer Tanz und mit einem Mitpendler erreichte ich meist mit Ach und Krach den letzten Zug in die Stadt an Rhein und Mosel. Der damalige Freund stammte aus dem Ruhrgebiet und konnte mit dem ganzen Trubel so gar nichts anfangen, also gab es den Kompromiss, dass ich an einem Tag und Abend feierte und wir die restlichen Tage wegfuhren. Meist ans Meer, wo dann weit und breit keine Verkleideten zu sichten waren. Meinen letzten Arbeitstag in Mainz hatte ich 2009 am Schwerdonnerstag und wurde u.a. mit Sekt und Berlinern verabschiedet.
Seit 2009 bin ich nun in Berlin und es ist: anders. Es gibt zwar auch Berliner in den Bäckereien und sogar in der Kantine zu kaufen, aber es wird den ganzen Tag über ganz normal gearbeitet, der Rosenmontag ist kein Feiertag mehr. Und eigentlich heißen hier die Berliner ja auch nicht Berliner, sondern „Pfannkuchen“. Was bei uns zuhause was ganz anderes bedeutet und hier unter dem Begriff „Eierkuchen“ läuft. Außerdem gibt es hier weder „Alaaf“ noch „Helau“ sondern „Hei-Jo“ und „Fasching“. Also wieder alles anders.
Verkleidete Menschen auf den Straßen oder in U- und S-Bahn sind nicht zu sehen. Aber es gibt sie trotzdem, die Feiern. Ich wurde 2010 von Bekannten, die aus dem Rheinland stammen, mit zu deren Betriebskarnevalsfeier genommen und feiere seitdem mindestens dort mit, meist auch noch ein weiteres Mal. Denn durch diese Feiern habe ich so einige neue Bekanntschaften gewonnen, mit denen ich nicht nur zu Karneval etwas übernehme. In den letzten Jahren hat nämlich die Anzahl und Auswahl an Feiern eindeutig zugenommen. Die mit dem Regierungsumzug in Berlin eröffnete Kneipe Ständige Vertretung brachte Mitte der 90er Jahre nicht nur Kölsch mit in die neue Hauptstadt sondern auch den Rheinischen Karneval und steht mittlerweile in Konkurrenz zu einigen anderen Kölsch-Kneipen bzw. Veranstaltern. Und so werde ich heute Abend recht unspektakulär als Matrosin verkleidet (mein selbst genähtes / gebasteltes Kostüm „Storch“ kam bereits vor drei Wochen zum Einsatz) mit vielen vielen anderen Rheinländern und sogar dem ein oder anderen menschlichen Berliner feiern gehen.

Natürlich nicht, ohne vorher mindestens einen gebackenen Berliner (mir kommt das Wort „Pfannkuchen“ einfach nicht über die Lippen…) genossen zu haben! Vor der Arbeit war ich nämlich beim Bäcker und habe für mich und meine Kolleginnen zugeschlagen. Die glasierten und mit div. Cremes gefüllten Berliner (im Laden stand „Ballen“…) irritieren mich zwar, finden aber hier durchaus ihre Abnehmerinnen:

Berliner, Kreppel, Krapfen, Pfannkuchen,...

Berliner, Kreppel, Krapfen, Pfannkuchen,…

Und ja, ich kann verstehen, dass man Fastnacht / Karneval / Fasching nicht mögen oder damit nichts anfangen kann. Mir ist z.B. das Oktoberfest fremd und so manch andere Veranstaltung ähnlicher Richtung würde ich auch nicht freiwillig besuchen. Aber ich mache es mir nicht zum Sport und Vergnügen, über diejenigen, denen diese Feste gefallen und die gerne daran teilnehmen und die Musik mögen, zu lästern oder sie als nicht zurechnungsfähig abzustempeln oder alle in die gleiche Schublade zu stecken.
Denn: Nein, es geht nicht ums sinnloses Trinken oder sogar Saufen bis zur Unzurechnungsfähigkeit bei diesen Feiern. Das ein oder andere Glas Kölsch oder Sekt gehört zwar durchaus dazu, aber nicht bis zur Bewusstlosigkeit. Und nicht jeder oder jede ist darauf aus, jemanden abzuschleppen und ich selbst kann auch nicht berichten, dass ich mich jedes Mal den halben Abend lang gegen allzu aufdringliche Männer erwehren muss. Das mag es alles geben und es ist schade, aber nach meiner Erfahrung ist es nicht die Regel.
Ich freue mich heute einfach auf’s Tanzen, auf das Mitsingen der Lieder und die Leute, die mit mir dorthin gehen werden!!!

Jahresrückblick 2014

In Anlehnung an den Jahresrückblick 2013 nun also der für das vergangene Jahr:

Zugenommen oder abgenommen?
Im Januar und Februar hatte ich noch sehr mit den Nachwirkungen der M-D-Erkrankung von Dezember zu kämpfen und sah bedenklich niedrige Zahlen auf der Waage. Ab März nahm ich endlich wieder zu und seitdem pendele ich wie üblich um mein Standardgewicht herum.

Haare länger oder kürzer?
Gleichlang kurz, dafür stufiger, damit ich mit den immer mehr durchkommenden Locken besser klarkomme. Gelingt mir mal mehr, mal weniger gut. Dann wünsche ich sie mir immer lang, um einfach einen Zopf machen zu können.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Gleich.

Mehr Kohle oder weniger?
Mehr.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Mehr.

Der hirnrissigste Plan?
Ich bin Steinbock, die machen eher selten hirnrissige Pläne.

Mehr Sport oder weniger?
Weniger, leider. Laufen habe ich zwei oder drei Mal versucht, aber meinem Knie sagt es einfach nicht (mehr) zu. Immerhin habe ich es ab und an mit der Lieblingskollegin nach der Arbeit ins Fitnessstudio geschafft, einige Male sogar alleine und ein gewisser VHS-Sportkurs gehört mittlerweile zum Wochenrhythmus. Und ich bin seeehr viel Rad gefahren, womit ich überleite zu:

Die teuerste Anschaffung?
Mein neues Fahrrad! Seit Jahren wollte ich schon ein neues kaufen und nach Ostern ging ich zielstrebig in den Laden um die Ecke, erntete auf die Frage, welche Eigenschaft es unbedingt haben sollte mit „Ich muss es ohne Hilfe eine Treppe rauf- oder runtertragen können“ erst Gelächter und dann Verständnis und entschied mich nach einigen Proberunden für dieses von VSF:

Mein neues Rad bei seinem ersten Ausflug am 1. Mai

Mein neues Rad bei seinem ersten Ausflug am 1. Mai

Ich bin ziemlich zufrieden und habe in diesem Jahr sehr viele km gestrampelt und komme immer besser mit dem Radfahren in der Stadt zurecht.

Das leckerste Essen?
Beim „Italiener um die Ecke“ mit JP im Oktober: Antipasti-Runde für zwei. U.a. mit einem tollen Burrata, geschmolzenen Auberginen, tollem Fisch… Dazu guter Wein und ein entspannter Abend.

Das beeindruckendste Buch?
Ich habe leider sehr wenig gelesen in diesem Jahr, aber „Blutsbrüder“ von Ernst Haffner hat mich sehr beeindruckt, auch wenn es kein „schönes“ sondern eher trauriges Buch ist.

Der ergreifendste Film?
„Her“. Ich habe ihn sogar zwei Mal gesehen, einmal im „richtigen“ Kino und einmal open air.

"Her" im Open Air Kino Rehberge

„Her“ im Open Air Kino Rehberge

Die beste CD?
Tatsächlich habe ich in diesem Jahr CDs nicht nur als Datei, sondern als physisches Produkt gekauft. Ich habe zwei Favoriten: „Rekord“ von den Fantastischen Vier und „Lieblingsfarben und Tiere“ von Element of Crime und ich schwanke, welche mir besser gefällt…

Das schönste Konzert?
Den größten Spaß hatte ich bei „LaBrassBanda“, aber Funny van Dannen kurz vor Weihnachten war auch toll.
Am meisten gefreut hatte ich mich auf „Die Fantastischen Vier“, aber deren Berlin-Konzert wurde von Dezember 2014 leider auf Januar 2015 verschoben…

Die schönste Zeit verbracht mit…?
L. auf dem Saar-Hunsrück-Steig im Sommer und M. auf dem Darß Anfang Oktober. Auch wenn es jeweils nur ein verlängertes Wochenende war, kam ich beide Male entspannt(er) zurück.

Die meiste Zeit verbracht mit…?
Arbeiten, da ich bis Mai (?) zwei Jobs auf einmal zu erledigen hatte und erst dann die Kollegin wieder aus langer Krankheit zurückkehrte.
Telefonieren. Angst haben. Warten.

2014 zum ersten Mal getan?
Mit einem Nachtzug gefahren, von Paris nach Berlin im Single-Abteil mit eigenem Bad (Und ja, duschen während der Zugfahrt geht, ist aber in der Tat eine wackelige Angelegenheit). Ich war ganz schön müde am nächsten Morgen, denn so richtig gut geschlafen habe ich nicht.

Nachtzugabteil Paris - Berlin

Nachtzugabteil Paris – Berlin

Mit einem T3 in den Urlaub gefahren und auf einem Campingplatz am Darß übernachtet. Ich war positiv überrascht, will mir aber nicht ausmalen, was im Sommer dort los ist, wir waren Anfang Oktober dort und der Platz ist riesig…

Mit dem T3 auf dem Heimweg vom Darß

Mit dem T3 auf dem Heimweg vom Darß

2014 nach langer Zeit wieder getan?
In Paris gewesen. Erst drei Tage dienstlich und dann einen Tag angehängt. Leider ausgerechnet an Maria Himmelfahrt = Touristenmassen und vieles geschlossen. Schön war’s trotzdem.

3 5 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Ich könnte eine ziemlich lange Liste schreiben… es war ein mehr als bescheidenes Jahr…

Meine Überforderung mit „Berlin“ und einigen Neuerungen in meinem Leben Anfang des Jahres und die damit verbundene Ratlosigkeit in vielerlei Hinsicht.
Die Angst um meine Lieblingstante, als sie durch ein geplatztes Hirnaneurysma ins Koma fiel und mehrfach operiert werden musste und lange Zeit nicht klar war, ob sie überhaupt überleben wird und die angespannten Verhältnisse innerhalb der Familie in diesem Zusammenhang.
Meine Kehlkopf- und Mittelohrentzündung im Juni.
Den plötzliche Tod meiner Tante G. kurz vor Weihnachten.
Den Stress im Vereinsvorstand im Advent, mit dem keiner gerechnet hätte.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Dass eine Freundschaft zwischen Mann und Frau funktionieren kann und es keinen Grund für Eifersucht von dritter Seite gibt. Hat nicht geklappt, also das mit der Überzeugung.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Mit mir drei Tage an (auf?) den Darß zu fahren, um dort den ganzen Tag mit den Rädern unterwegs zu sein, die Natur und das schöne Wetter zu genießen und einfach mal den Kopf frei zu bekommen.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Meine Tante M. Anfang Dezember: „Dann nimm das schlechte Wetter auch wieder mit!“, als meine Mutter mich als „Schuldige“ für das schlechte Wetter benannte (das Tief trug den Namen „Alexandra“). Zwischen April und Juni hätte niemand von uns damit gerechnet, dass sie im Dezember überhaupt wieder sprechen können oder uns erkennen würde…

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Keine Ahnung.

Vorherrschendes Gefühl 2014? 
Bitte, nicht auch DAS noch!!!

2014 war mit einem Wort…?
Ermüdend.

***

Gebloggt habe ich 2014 so gut wie gar nicht, aber auch für alles andere blieb kaum Zeit. So habe ich nur zwei Röcke genäht und mich immerhin an ein Oberteil gewagt.
Gelesen habe ich kaum, dafür war ich auf erstaunlich vielen Konzerten und im Gegenzug nur einmal im Theater.
Eine neue Bekannt- wenn nicht sogar Freundschaft hat sich indirekt über die Bloggerei ergeben, über die ich sehr dankbar und froh bin.

***

2015 wird ein gutes Jahr, das ist beschlossene Sache!

Wolle…

Wenn die Tage kürzer und eher herbstlich statt spätsommerlich werden, schleicht sich seit Jahren die Lust aufs Stricken heran und flüstert mir „So langsam solltest Du mal überlegen, ob Du für die kommenden Monate auch genügend selbstgestrickte Schals vorrätig hast! Seit Jahren willst Du einen roten und einen lila Schlauchschal stricken und in blau fehlt Dir eigentlich auch noch einer!“ ins Ohr. So auch in diesem Jahr, denn trotz Spätsommer gab es doch schon einige ungemütliche Tage in den letzten beiden Wochen, an denen ich morgens nie ohne dünnen Schal oder Tuch um den Hals aus dem Haus ging.
Also schaute ich mich z.B. dort ein wenig um und nahm mir vor, dem favorisierten Woll-Laden baldmöglichst einen Besuch abzustatten. Zum Glück schaffte ich es am Freitag nicht dorthin… denn als ich gestern einen Teil meiner Sommerschuhe zum Überwintern in die jeweiligen Kartons einsortierte, fiel mir ein, dass ich meine in diversen Tüten und Kisten vorhandene Wolle schon immer mal ausmisten und sortieren wollte. Das Ergebnis nach dem gefühlt Stunden dauernden Auseinanderfisseln sich nahezu nicht mehr zu entfesselnder Woll-Enden und dem beherzten Entsorgen diverser kurzer Wollreste:

Gestapelte Lieblingsfarben.

Gestapelte Lieblingsfarben.

Wer mir auf Instagram folgt, hat das Foto schon gesehen und evtl. den Kommentar von Caramellita gelesen… Meine Farbvorlieben, die ich ja u.a. bei Kleiderschrank und ich beschrieben habe, sind nicht zu übersehen. Aber auch nicht, dass ich gefühlt für Jahre nicht mehr in den Wollladen gehen brauche. Um die Reduzierung des Stapels in Angriff zu nehmen, habe ich mir gestern direkt ein Nadelspiel und ein bereits angebrochenes Tweed-Woll-Knäuel in Rot geschnappt und eine Armstulpe begonnen. Eine meiner Kolleginnen-Freundin trägt für ihr Leben gerne welche und wird sich bestimmt freuen.

Ich habe auf ein 5er-Nadelspiel 32 Maschen aufgenommen, die ersten Reihen jeweils ein Bündchen in 2 re(chts), 2 li(nks) gestrickt und dann mit einem ganz einfachen Muster begonnen, das aber einen schönen Effekt mit dem Tweed-Garn zeigt:
1. Reihe re(chts),
2. Reihe 1 re, 1 li;
3. Reihe re;
4. Reihe 1 li, 1 re (also versetzt zur 2. Reihe).
Diese vier Reihen immer wiederholen.

Damit ich nicht durcheinander komme, markiere ich mir die erste Masche jeweils und unterscheide dabei noch zwischen den reinen rechts-Reihen und denen mit Muster. So kommen die von Caramellita zu Weihnachten geschenkten Maschenmarkierer auch endlich mal zum Einsatz!
Ob ich ein Daumenloch einstricken werde oder darauf verzichte (die Kollegin trägt beide Arten gerne), habe ich noch nicht entschieden.

Wollstapelreduzierungsprojekt mit Mini-Regentröpfchen (= auf der Suche nach halbwegs vernünftigen Lichtverhältnissen auch - kurz - auf dem Balkon gewesen)

Wollstapelreduzierungsprojekt mit Mini-Regentröpfchen (= auf der Suche nach halbwegs vernünftigen Lichtverhältnissen auch – kurz – auf dem Balkon gewesen)

Die restlichen Knäuel habe ich feinsäuberlich in einen großen, mit Seidenpapier ausgelegten Karton gestapelt, einige sind in die „Flohmarkt“-Kiste gewandert. Als nächstes werde ich dann wohl mit einem Schlauchschal in schwarz für mich anfangen, auch wenn das nicht unbedingt dem Plan entspricht, endlich mal einen in rot, lila oder blau zu stricken…

Kleiner Hund und großer Punk

Nach einem Kinobesuch mit einer Freundin, wir haben „Meine Schwestern“ angesehen, stehe ich an der Straßenbahnhaltestelle in Friedrichshain warte auf meine Bahn. Ich telefoniere ein bisschen gegen die Wartezeit. Um nicht nur den Wind im Telefon sondern den Gesprächspartner zu hören, drehe ich mich mit dem Rücken zu meiner Haltestelle und habe so den Blick über einen breiten Grünstreifen mit Gehweg hinweg auf eine sich daran anschließende weitere Straßenbahnhaltestelle.
Ein Punk mit einem großen Rucksack auf dem Rücken und einem Sonnenschirm (?) über den Schultern, den er mit beiden Händen festhält, kommt von links angeschlendert. Begleitet von einem kleinen hellbraunen, eindeutig sehr jungen Hund, der im Zickzack um ihn herumläuft, sich viel umschaut und rumschnuppert und sich zurückfallen lässt, dann wieder aufholt, sich wieder ablenken lässt… so geht es einige Meter. Eine Straßenbahn kommt den beiden entgegen, hält an der Haltestelle. Der Punk geht weiter und der kleine Hund läuft ganz interessiert in Richtung der Bahn. „Der wird doch nicht…?!“ denke ich noch und sage es auch ins Telefon, da ist er auch schon drinnen, läuft ein paar Schritte in Fahrtrichtung, schnuppert und schaut sich um, ein paar Fahrgäste schauen irritiert nach draußen und den Hund an und natürlich schließen sich die Türen. Das alles geschieht innerhalb weniger Augenblicke. Der Punk ist derweil ein paar Meter weitergegangen, schaut sich dann aber um und ungläubig der grade abfahrenden Staßenbahn nach. Ein paar Passanten, denen der kleine Hund durch die Beine gewuselt ist, deuten auf die sich entfernende Bahn und der Punk bleibt erst für einen kurzen Moment stehen, guckt entsetzt der Bahn nach, schüttelt den Kopf und beginnt dann zu rennen. Er rennt und rennt und rennt, sein eindeutig schwerer Rucksack und der Sonnenschirm (?) auf seinen Schultern sind ihm dabei ein Hindernis.
Meine Bahn kommt und ich blicke dem rennenden Punk aus meiner Bahn nach bis ich ihn nicht mehr sehen kann und drücke alle Daumen, dass die zwei sich wiederfinden.