So wie Currywurst und bunte Tüten gehört Halden besteigen für mich zu einem gelungenen Pott-Wochenende. Ging es im Juni 2010 auf die Halde Beckstraße in Bottrop bzw. noch höher hinauf auf den Tetraeder und im letzten Frühjahr auf die Halde Haniel, war am letzten Montag die Halde Rungenberg bei Gelsenkirchen an der Reihe.
Von der Straßenbahn-Haltestelle Emil-Zimmermann-Allee mussten wir nur einmal über die Straße und schon konnte der Aufstieg beginnen und hatten die Wahl zwischen breiten, bequemen Wegen, die sich langsam an Wiesen und Sträuchern nach oben winden oder ca. 300 Treppenstufen. Wir entschieden uns für eine Kombination aus beidem und brauchten ca. eine Stunde, bis wir den oberen, nicht mehr begrünten Teil erreichten. Dieser besteht ausschließlich aus schwarz-grauem Bergematerial und bildet eine in der Mitte durchschnittene Pyramide. Auf jeder der Pyramidenhälften steht ein mächtiger rostiger Scheinwerfer, der so ausgerichtet ist, dass durch die (möglichen) Strahlen die Pyramide vervollständigt wird. Auf einem der Podeste unter den Scheinwerfern legten wir erst mal eine Pause ein und aßen die vom Vortrag übrig gebliebenen Bagel und genossen die Aussichten auf zahlreiche anderen Halden bzw. Zechen, die Gelsenkirchener Raffinerie… und: auf Schalke. Dazu eine Kombination aus Autobahnrauschen im Hintergrund und einem krähenden Hahn…
Leider war der Himmel eher bedeckt und alles etwas diesig, deshalb sind die Fotos eher so lala:
Der Rückweg führte uns durch die
Arbeitersiedlung Schüngelberg zur Straßenbahn und diese zum
Schloss Horst, wo wir uns
Metropolradruhr-Räder ausliehen und erst mal in Richtung Nordsternpark fuhren und dann am Rhein-Herne-Kanal entlang in Richtung Osten. Die Räder waren gut in Schuss und mit ihren drei Gängen für die Strecke ausreichend ausgestattet, die Sättel höhenverstellbar und an jedem Rad ein Lenkerkorb befestigt. An der Schleuse Gelsenkirchen konnte man wieder die Halde Rungenberg sehen und stand ziemlich nah an der Raffinerie, die man von der Halde aus auch sehen konnte. Also mussten ein paar Fotos in die Gegenrichtung sein (auch wenn man die Halde eher errät als sieht)
bevor es weiter bis zum und einmal quer durch die tierreiche Wald- und Sumpflandschaft des
Emscherbruchs ging und wir in Herten an der
Zeche Ewald rauskamen und auch einen Blick auf die
Halde Hoheward warfen (auf ein weiteres Haldenerklettern hatte ich keine Energie mehr, aber sie wird bei einem der nächsten Besuche dran kommen!). Die Räder stellten wir nach insgesamt etwa 16 Kilometern an der
Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 ab und erwischten kurz drauf einen Bus, der uns einmal quer durch Wanne zum Bahnhof fuhr und wir zurück nach Essen die Bahn nahmen.
Der Montag war mein Highlight des langen Wochenendes, ich war von den Rädern (die es auch in vielen anderen Städten Deutschlands, Österreichs, Polens… gibt und unsere waren wirklich gut in Schuss und für einen Tag auch gar nicht teuer) und den Radstrecken begeistert (man kann sich
eigentlich nicht verfahren, denn die einzelnen Routen sind durch viele Schilder hervorragend gekennzeichnet, es sei denn, die Orientierung verlässt einen wie jedes Mal im Ruhrgebiet und man folgt wider möglicher Einwände mehrfach konsequent den richtigen Schildern in die falsche Richtung *hust*, aber auch dann landet man nicht im Nirvana, wie die obige Tour beweist…). Außerdem gibt es wirklich eine große Auswahl an Radfahrkarten, wir hatten morgens noch schnell
diese gekauft und das dazugehörige Büchlein gibt zu den jeweiligen Städten Tipps und Infos (Sehenswürdigkeiten, Bahnhof etc.) und die jeweiligen Stationen sind so gelegen, dass man Anschluss an den Nahverkehr hat und auch gut wieder weg kommt.
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Der Dienstag bestand aus einem kurzen Besuch im
Folkwang-Museum zur Ausstellung “Unsere Zeit hat ein neues Formgefühl – Fotografie, Grafik und Plakat der 20er Jahre” und einem Kaffee-Kuchen-Stopp bei den
Sweet Coffee Pirates auf der Rüttenscheider Straße (sehr zu empfehlen: der vegane Schokokuchen!).
Auf dem Weg dorthin kamen wir an dieser Buchhandlung mit dem tollen Namen vorbei:

Dann nur noch Zugfahrt, Überraschungspost und eine neue (kurze) Woche in der Hauptstadt.
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Ach ja: EIGENTLICH war der Grund für das Wochenende, dass ich im Bochumer Schauspielhaus Cyrano de Bergerac sehen wollte, aber das fiel leider aus, weil Armin Rohde durch eine Netzhautablösung ausfiel. Also gibt es einen Grund, bald wieder in den Pott zu fahren!
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(Uff! So viel Text!)